Armenien vereitelt massive, Russland-verbundene Desinformationskampagne vor Wahlen
Der armenische Premierminister Nikol Pashinyan sicherte sich trotz einer umfassenden, mit Russland verbundenen Desinformationskampagne, die darauf abzielte, seine pro-europäische Regierung zu untergraben, seine Wiederwahl. Forscher identifizierten die Operation, die als 'Matryoshka' bezeichnet wird, als eine der größten Einflussnahmen der letzten Jahre, die hochentwickelte Taktiken zur Verbreitung gefälschter Narrative und zur Säung von Misstrauen einsetzte.
Der armenische Premierminister **Nikol Pashinyan** erklärte am Montag seinen Sieg bei den Parlamentswahlen des Landes, wobei seine pro-europäische **Zivilvertrags-Partei** fast die Hälfte der Stimmen erhielt. Dieses Ergebnis kam trotz dessen, was Forscher als eine der größten, mit Russland verbundenen Desinformationskampagnen bezeichneten, die jemals auf Armenien abzielten.
**Pashinyans** Partei gewann fast 50 % der Stimmen vom Sonntag und besiegte die prorussische **Partei Starkes Armenien** unter der Führung des russisch-armenischen Milliardärs **Samvel Karapetyan**, die etwa 23 % der Stimmen erhielt.
## Die "Matryoshka"-Kampagne entlarvt
Die Wahlergebnisse folgten auf Monate koordinierter, mit Russland verbundener Online-Angriffe, die darauf abzielten, **Pashinyans** Regierung zu destabilisieren. Diese Operationen umfassten gefälschte Nachrichtenberichte, manipulierte Videos und Wellen von Bot-Aktivitäten. Die Narrative beschuldigten den armenischen Führer der Korruption, der Verschwörung gegen Russland und sogar der Beteiligung an schweren Verbrechen, die von sexuellem Missbrauch bis hin zu Organhandel reichten.
Forscher der Organisation **Antibot4Navalny** enthüllten, dass kremlnahe Akteure acht Monate lang die armenischen Wahlen ins Visier nahmen. Diese umfassende Kampagne, bekannt als **Matryoshka**, verbreitete gefälschte Nachrichten und manipulierte Videos auf Social-Media-Plattformen. Experten beschrieben sie als eine der umfassendsten Einflussoperationen, die sie in letzter Zeit erlebt haben.
Die **Matryoshka**-Kampagne versuchte, **Pashinyans** Wiederwahl als gefährlichen Weg zu einer militärischen Konfrontation mit Russland darzustellen. Sie warnte auch, dass Armenien Konsequenzen erfahren könnte, die denen der Ukraine ähneln, wenn es seine Beziehungen zu Europa weiter stärkt.
Trotz des Ausmaßes dieser Informationsoperation und des russischen Einflusses verzeichnete Armenien seine höchste Wahlbeteiligung seit 2018.
## Hochentwickelte Taktiken und breitere Operationen
Laut Forschern des **Institute for Strategic Dialogue** setzten russlandnahe Netzwerke eine breite Palette von Taktiken ein. Dazu gehörte die Erstellung gefälschter Medienwebsites, die Nachahmung von Journalisten und legitimen Nachrichtenagenturen sowie die Verstärkung falscher Narrative durch Influencer und vernetzte Websites, um gefälschten Geschichten Glaubwürdigkeit zu verleihen.
"Neben ihrer Hartnäckigkeit haben diese Operationen eine breite Palette hochentwickelter Taktiken eingesetzt, um ihre gefälschten Behauptungen echt erscheinen zu lassen und sicherzustellen, dass sie von einem breiten Publikum gesehen werden", bemerkten die Forscher.
**Matryoshka** wird als Teil von Russlands breiterer **Doppelgänger**-Einflussoperation verstanden. Dieses größere Netzwerk ist berüchtigt für das Klonen legitimer Medien- und Regierungswebsites, um Propaganda unter scheinbar vertrauenswürdigen Marken zu verbreiten.
## Jenseits von Desinformation: Hybride Bedrohungen
Der Wahlprozess wurde auch durch falsche Bombenwarnungen gestört. Diese Drohungen wurden von ausländischen Telefonnummern und E-Mail-Adressen an mehrere Wahllokale gesendet, wie armenische Behörden berichteten. Das **Armenische Innenministerium** [erklärte](https://armenpress.am/en/article/1252233), die Drohungen seien gefälscht und charakterisierte sie als potenzielle Versuche "hybrider Einflussnahme", die darauf abzielten, das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Wahlprozess zu untergraben und Angst zu erzeugen.
## Armeniens sich verändernde geopolitische Landschaft
**Pashinyan** hat Armenien schrittweise von Russland weggeführt, das traditionell der wichtigste Sicherheitspartner des Landes war. Dieser Schritt folgt auf das wahrgenommene Versagen Moskaus, Aserbaidschan daran zu hindern, Bergkarabach zurückzuerobern, eine Niederlage, die Russlands Ansehen bei vielen Armeniern erheblich untergrub.
Seine Regierung hat stattdessen eine engere Zusammenarbeit mit westlichen Partnern angestrebt. Insbesondere der ehemalige US-Präsident **Donald Trump** unterstützte zuvor **Pashinyans** Wiederwahlkampf. Darüber hinaus hat die **Europäische Union** [zugestimmt](https://news.liga.net/en/politics/news/the-eu-will-send-a-mission-to-armenia-to-counter-disinformation), eine zivile Mission nach Armenien zu entsenden, um gezielt ausländische Desinformation zu bekämpfen.
## Ein regionales Muster
Die armenischen Wahlen spiegeln ein Muster wider, das im vergangenen Jahr in Moldawien beobachtet wurde. Dort [beschuldigten](https://therecord.media/moldova-election-pro-eu-party-wins-ddos-incidents-influence-ops) die Behörden Russland, Cyberangriffe, Desinformationskampagnen und gefälschte Bombenwarnungen kombiniert zu haben, um die Wahlen zu beeinflussen. Moldawiens pro-europäische Regierung setzte sich auch in diesem Wettbewerb letztendlich durch.
