EFF warnt vor Datenschutz- und Sicherheitsrisiken im geplanten britischen Digital-ID-System
Die **Electronic Frontier Foundation (EFF)** äußert Bedenken hinsichtlich des vorgeschlagenen nationalen digitalen Identifizierungssystems des Vereinigten Königreichs. Sie verweist auf potenzielle Verletzungen von Datenschutzrechten, erhebliche Sicherheitsrisiken und eine Vertiefung der Machtungleichgewichte zwischen Staat und Bürgern. Die EFF hat Kommentare zur Konsultation der britischen Regierung eingereicht und fordert eine Neubewertung des Systems.
Im vergangenen September kündigte der britische Premierminister **Keir Starmer** Pläne zur Einführung eines neuen digitalen Identifizierungssystems im Land an. Ziel des Systems ist es, die Identitätsprüfung für Bürger zu erleichtern, indem eine virtuelle ID auf persönlichen Geräten erstellt wird. Diese soll Informationen wie Namen, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit oder Aufenthaltsstatus sowie ein Foto zur Überprüfung des Aufenthalts- und Arbeitsrechts im Land enthalten.
Seitdem hat sich die **EFF** zusammen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen aus dem Vereinigten Königreich an die Regierung gewandt und fordert eine Überarbeitung dieses Vorschlags. In einem gemeinsamen Schreiben vom Dezember, vor der Parlamentsdebatte über eine Petition mit 2,9 Millionen Unterschriften, die ein Ende der Pläne der Regierung zur Einführung einer nationalen digitalen ID fordert, schrieben die EFF und 12 weitere zivilgesellschaftliche Organisationen an Politiker und forderten die Abgeordneten auf, den Vorschlag der Labour-Regierung abzulehnen.
### Staatliche Konsultation und Reaktion der EFF
Dennoch haben die Politiker weiterhin nach Wegen gesucht, ein digitales Identifizierungssystem im Land aufzubauen, wobei sie oft zwischen verschiedenen Ideen und Konzeptionen für ein solches System schwankten. Auf der Suche nach Klarheit startete die Regierung eine Konsultation mit dem Titel „Making public services work for you with your digital identity“ (Öffentliche Dienste mit Ihrer digitalen Identität für Sie arbeiten lassen), um Meinungen zu einem vorgeschlagenen nationalen digitalen Identifizierungssystem im Vereinigten Königreich einzuholen.
Die EFF hat zu dieser Konsultation Stellung genommen und sich auf sechs miteinander verbundene Themen konzentriert:
1. Missionskriech (Ausweitung des Aufgabenbereichs)
2. Verletzung von Datenschutzrechten
3. Erhebliche Sicherheitsrisiken
4. Abhängigkeit von ungenauen und unerprobten Technologien
5. Diskriminierung und Ausgrenzung
6. Vertiefung verfestigter Machtungleichgewichte zwischen Staat und Öffentlichkeit.
### Kernbedenken
Selbst die stärksten empfohlenen Schutzmaßnahmen können diese Probleme nicht lösen. Das grundlegende Kernproblem ist, dass ein obligatorisches digitales Identifizierungssystem die Macht dramatisch von den Einzelpersonen weg und hin zum Staat verschiebt. Sie werden als technologische Lösung für Offline-Probleme verfolgt, ermöglichen es dem Staat aber stattdessen zu bestimmen, worauf Sie zugreifen können, nicht nur, wer Sie sind, indem sie als Schlüssel zum Öffnen – oder Schließen – von Türen zu wesentlichen Dienstleistungen und Erfahrungen fungieren.
Niemand sollte – technisch oder sozial – zu einem digitalen System gezwungen werden, um vollständig am öffentlichen Leben teilnehmen zu können. Es ist unerlässlich, dass die britische Regierung auf die Menschen im Land hört und der digitalen ID eine Absage erteilt.
Lesen Sie die vollständige Stellungnahme der EFF [hier](https://www.eff.org/document/eff-submission-uk-government-consultation-digital-id).