Florida Mann wegen fehlerhafter Gesichtserkennungstechnologie zu Unrecht verhaftet
Ein Mann aus Florida sah sich einer unrechtmäßigen Verhaftung, einer nächtlichen Haft und erheblichen persönlichen Umwälzungen gegenüber, nachdem ein Gesichtserkennungssystem namens **FACES** sein Bild fälschlicherweise mit einem Verdächtigen abglich. Dieser Vorfall unterstreicht die kritischen Mängel und das Potenzial für Missbrauch von Bürgerrechten, die mit der Verlassung auf unbestätigte algorithmische Ergebnisse in der Strafverfolgung verbunden sind.
Eine neue Klage der **American Civil Liberties Union (ACLU)** schildert die erschütternde Erfahrung von **Robert Dillon**, einem 52-jährigen kommerziellen Krabbenfischer aus Fort Myers, der aufgrund eines fehlerhaften Gesichtserkennungsabgleichs zu Unrecht verhaftet wurde. Obwohl er über 300 Meilen vom Tatort entfernt lebte und die Stadt, in der sich der Vorfall ereignete, nie besucht hatte, wurde Dillon von einem System identifiziert, das vom **Pinellas County Sheriff's Office** in Florida betrieben wurde.
### Der fehlerhafte Abgleich
Dillons Verhaftung resultierte aus einem „93-prozentigen Abgleich der Gesichtsmerkmale“, der von **FACES** generiert wurde, einer der am längsten bestehenden polizeilichen Gesichtserkennungsdatenbanken in den Vereinigten Staaten. Dieses System, das Zehntausende von Fahndungsfotos und Führerscheinfotos aus Florida enthält, zeigt lediglich algorithmische Ähnlichkeiten an, keine definitive Identifizierung einer Person.
### Eine Kaskade von Konsequenzen
Die Folgen für Dillon waren gravierend. Er wurde in seinem Haus verhaftet, über Nacht in einer kalten Zelle festgehalten und in einem vergitterten, unbeleuchteten Van transportiert. Um eine Kaution zu stellen, musste er den Titel seines Lastwagens verpfänden. Die Verhaftung, die während der Hochsaison für Steinkrabben erfolgte, führte zu finanziellen Schwierigkeiten und kostete ihn fast sein Zuhause. Sein Fahndungsfoto blieb fast ein Jahr lang online und wurde erst nach einem Eingreifen eines Fernsehreporters entfernt. Die Tortur hat ihn traumatisiert, er ist misstrauisch gegenüber öffentlichen Interaktionen und zögert, sich mit Kindern zu beschäftigen.
### Übersehene Diskrepanzen
Die Klage behauptet, dass entscheidende Beweise, die gegen Dillon sprachen, ignoriert oder bei der Beantragung des Haftbefehls weggelassen wurden. Ein Manager von **McDonald's** identifizierte beispielsweise den Verdächtigen als „Stammkunden“, eine Beschreibung, die nicht mit Dillon übereinstimmte, der Jacksonville Beach nie besucht hatte. Darüber hinaus ergab eine Untersuchung von Kennzeichenlesern für Dillons Fahrzeuge um die Tatzeit keine Anwesenheit im County, doch diese Ergebnisse wurden Berichten zufolge vom Haftbefehl ausgeschlossen.
Sechs Monate vergingen ohne weitere Ermittlungen, bevor der Haftbefehl eingereicht und unterzeichnet wurde. Dillon wurde im folgenden Monat verhaftet. Obwohl das **State Attorney's Office** schließlich alle Anklagepunkte fallen ließ, wurde der ermittelnde Beamte anschließend befördert.
### Systemische Probleme und mangelnde Aufsicht
**FACES**, das seit 2001 vom **Pinellas County Sheriff's Office** betrieben wird, hat eine lange Geschichte des Betriebs mit begrenzter Aufsicht. Eine Studie des Center on Privacy and Technology der Georgetown Law aus dem Jahr 2016 ergab, dass das Büro keine Audits von Datenbankabfragen durchführte und keine angemessene Verdachtsmeldung für Anfragen erforderte. Berichten zufolge haben auch Behörden in Florida **FACES** verwendet, um friedliche Demonstranten zu scannen.
Dieser Vorfall ist kein Einzelfall. Die **ACLU** verzeichnet mindestens 15 bekannte unrechtmäßige Verhaftungen in den USA, die auf Gesichtserkennungstechnologie zurückzuführen sind. Anfang dieses Jahres verhaftete dasselbe **Jacksonville Sheriff's Office (JSO)** einen Mann aus North Carolina im Rahmen einer Untersuchung von Autodiebstahl aufgrund eines 85-prozentigen Abgleichs zu Unrecht, was zu fast drei Monaten Haft und dem Verlust seines Hauses, seines Arbeitsplatzes und des Sorgerechts für sein Kind führte.
Obwohl **Jacksonville Sheriff T.K. Waters** erklärte, dass ein Treffer der Gesichtserkennung allein keinen hinreichenden Grund für eine Verhaftung in seinem Büro darstellen würde, unterstreicht die Realität dieser unrechtmäßigen Verhaftungen eine gefährliche Überbewertung der Technologie ohne angemessene menschliche Überprüfung und Schutzmaßnahmen.
### Forderungen nach Rechenschaftspflicht und Schutzmaßnahmen
**Nate Wessler**, stellvertretender Direktor des **ACLU's Speech, Privacy, and Technology Project**, betonte die Notwendigkeit, dass die Polizeibehörden in Florida Schutzmaßnahmen einführen, um zukünftige unrechtmäßige Verhaftungen zu verhindern. „Niemand sollte seine Freiheit verlieren oder Angst haben, sein Haus zu verlassen, weil ein Algorithmus falsch lag“, erklärte Wessler und forderte Rechenschaftspflicht für diese Missbräuche. Die Klage fordert Schadensersatz und Strafschadensersatz und verlangt, dass die beteiligten Behörden ihre Richtlinien zur Gesichtserkennung überarbeiten.