Frankreich treibt die digitale Souveränität Europas voran
Frankreich treibt eine europäische Initiative zur Reduzierung der Abhängigkeit von US-amerikanischer Technologie voran, angetrieben von Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und geopolitischer Spannungen. Die französische Regierung entwickelt und setzt aktiv eigene Open-Source- und europäische Technologielösungen für Regierungsbeamte ein, um mehr Kontrolle und Datenlokalisierung zu erreichen.
Während die Spannungen zwischen den USA und Europa andauern, beschleunigt der Kontinent seine Bemühungen, die Abhängigkeit von US-amerikanischer Technologie zu verringern. Städte und Regierungen steigen von **Microsoft Office** auf Open-Source-Alternativen um und setzen auf europäische Cloud-Hosting-Lösungen für lokale KI. Nirgendwo ist dies deutlicher als in Frankreich. In den letzten Monaten hat die französische Regierung ihre Anstrengungen zur Entwicklung und Bereitstellung eigener Technologien für Regierungsbeamte beschleunigt.
## Frankreichs Initiative zur digitalen Souveränität
Frankreich steht an der Spitze des wachsenden europäischen Vorstoßes zur digitalen Souveränität, angetrieben von Bedenken hinsichtlich Datensicherheit, der Unvorhersehbarkeit internationaler Beziehungen und sich ändernden Preisen. Der französische Budgetminister **David Amiel** forderte kürzlich den Staat auf, sich „von amerikanischen Systemen zu befreien“ und solche zu nutzen, die er kontrollieren kann.
„Wir erklären nicht nur, was wir tun wollen“, sagt **Stéphanie Schaer**, Leiterin von **DINUM**, der französischen Digitalisierungsbehörde. „Wir haben es in einigen Angelegenheiten bereits getan.“ Mehr als 40.000 französische Regierungsmitarbeiter nutzen bereits die heimische Videoplattform **Visio**, während der Rest bis 2027 von **Zoom**, **Microsoft Teams** und anderen abwandert. Die Daten werden lokal gespeichert, nicht im Ausland.
## LaSuite: Frankreichs heimische Produktivitäts-Suite
Als Teil seiner Strategie entwickelt DINUM seit mindestens 2023 eine Suite von Produktivitätstools, die kollektiv als „**LaSuite**“ bezeichnet wird. Neben Visio umfasst sie die Instant-Messaging-App **Tchap**, **Messagerie** (anstelle von Gmail oder Outlook), **Fichiers** für die Dokumenten- und Dateifreigabe, die Textbearbeitungssoftware **Docs** und **Grist** für Tabellenkalkulationen. Tchap hat bereits 420.000 aktive Nutzer.
„Wir basieren auf Open-Source-Software. Wir entwickeln also nicht den gesamten Code“, sagt Schaer. Obwohl es öffentliche Pläne für neue Funktionen gibt, wird der Code auf dem Microsoft-eigenen **Github** veröffentlicht. Alle von diesen Alternativen verarbeiteten Daten müssen in Frankreich verarbeitet und bei Anbietern gespeichert werden, die von der französischen Cybersicherheitsagentur **ANSSI** zugelassen sind. Die niederländische Regierung hat kürzlich ihren Open-Source-Code von GitHub auf eine **Forgejo**-Instanz verschoben, die auf staatseigenen Servern gehostet wird.
## Zusammenarbeit und Open Source
Obwohl Open Source von zentraler Bedeutung ist, arbeitet die französische Regierung auch mit anderen Ländern und privaten Unternehmen an der Entwicklung ihrer Tools zusammen. Visio basiert beispielsweise auf Technologie französischer Unternehmen wie **Outscale** und **Pyannote**. Alle zentralen Regierungsbehörden Frankreichs planen, bis zum Herbst dieses Jahres von US-amerikanischer Technologie abzurücken, einschließlich Bürosoftware, Antivirenprogrammen, KI und Datenbanken. Am 23. April kündigten französische Beamte außerdem an, dass das Land seine Gesundheitsdatenplattform von Microsoft zu dem lokalen Cloud-Anbieter **Scaleway** verlagern wird.
## Paneuropäische Bewegung
In ganz Europa äußern sich Politiker zunehmend kritisch über die Nutzung von US-amerikanischer Technologie. Die Niederlande, Österreich, Belgien, Dänemark und Finnland verfolgen eigene Souveränitätsbemühungen, und auch deutsche Beamte und Regionen treiben die Bewegung maßgeblich voran. Im Dezember kündigten acht Länder, darunter Frankreich und Deutschland, eine Partnerschaft bei ihren Bemühungen an.
„Diejenige, die sich wahrscheinlich am schnellsten bewegt hat, war tatsächlich Frankreich“, sagt **Martha Bennett**, Principal Analyst bei **Forrester**. Frankreich hat eine starke Tradition in der Softwareentwicklung und bei Open-Source-Beiträgen, wobei die französische Polizei **GendBuntu**, eine angepasste Version der **Ubuntu** Linux-Distribution, einsetzt.
Die französischen Bemühungen beschränken sich nicht auf die Zentralregierung. „Es gibt viele Städte in Frankreich, die in diese Richtung gehen“, sagt **Valentin Lungenstrass**, stellvertretender Bürgermeister von Lyon. Lyon hat rund 70 Prozent seiner Mitarbeiter von Microsofts Office-Software auf die Open-Source-Lösung **OnlyOffice** umgestellt. Die Stadt stellt von Outlook für E-Mails um und plant, Linux als Betriebssystem zu verwenden.