Litauen untersucht massiven Datenklau mit sensiblen Staatsdaten
Litauische Behörden untersuchen einen bedeutenden Datenklau, der die staatlichen Register des Landes betrifft und potenziell sensible persönliche und Eigentumsdaten kompromittiert hat. Der Angriff auf das **Centre of Registers** nutzte autorisierte Anmeldedaten und betraf über 600.000 Datensätze.
Litauische Staatsanwälte untersuchen einen großen Datenklau, der die staatlichen Register des Landes betrifft und potenziell sensible persönliche und Eigentumsdaten offengelegt hat.
### Details des Vorfalls
Das litauische Generalstaatsanwaltschaft teilte am Freitag mit, dass Angreifer unbefugten Zugriff auf mehr als 600.000 Datensätze erlangt hätten, die vom **Centre of Registers**, der staatlichen Agentur für Grundbuch- und Unternehmensdaten, verwaltet werden.
Die Staatsanwaltschaft gab an, dass der Vorfall die missbräuchliche Verwendung von Anmeldedaten beinhaltete, die autorisierten Institutionen zugewiesen waren, und dass er wahrscheinlich aus einem nicht genannten ausländischen Land stammt. Laut den Behörden stammten die gestohlenen Informationen hauptsächlich aus den Registern für Immobilien und juristische Personen Litauens, Datenbanken, die kostenpflichtigen Zugriff auf offizielle Immobilien- und Unternehmensdaten bieten. Erste Schätzungen beziffern den finanziellen Schaden auf über 111.000 € (129.000 $).
Das **Centre of Registers** teilte am Dienstag in einer Erklärung mit, dass die kompromittierten Daten persönliche Informationen wie Namen, Geburtsdaten und nationale Identifikationsnummern sowie immobilienbezogene Daten wie Adressen, Katasterinformationen und Registernummern enthielten. Laut der Agentur wurden keine Kontaktdaten, Bankkontoinformationen, Zahlungsdaten oder offizielle Dokumente wie Gerichtsurteile oder Katastervermessungsdateien offengelegt.
### Reaktion und Folgen
Litauische Behörden gaben an, nach der Entdeckung des Vorfalls zusätzliche Cybersicherheitsmaßnahmen eingeführt zu haben, darunter die Sperrung von Konten, die mutmaßlich missbraucht wurden, und die Aufforderung an die Benutzer, ihre Zugangsdaten zu aktualisieren.
Der Vorfall wurde laut **Adrijus Jusas**, dem Leiter des **Centre of Registers**, bereits Anfang April entdeckt, obwohl die Behörden die öffentliche Bekanntgabe aufgrund der laufenden strafrechtlichen Ermittlungen verzögerten.
**Jusas** trat am Montag nach der Untersuchung des Vorfalls zurück. „Angesichts der Sensibilität der Situation habe ich beschlossen, zurückzutreten und die Verantwortung an andere Fachleute zu übergeben“, sagte er in Kommentaren, die von litauischen Medien zitiert wurden.
In einem separaten Interview mit lokalen Medien machte **Jusas** jahrelange Unterinvestitionen in die staatliche IT-Infrastruktur dafür verantwortlich und sagte, dass die Systeme Upgrades in Höhe von bis zu 60 Millionen € (69,8 Millionen $) benötigten, um moderne Cybersicherheitsstandards zu erfüllen.
### Mögliche geopolitische Auswirkungen
Auf Facebook behauptete **Laurynas Kasciunas**, Vorsitzender der konservativen Oppositionspartei Litauens und ehemaliger Verteidigungsminister, dass der Vorfall „die Handschrift einer russischen Geheimdienstoperation“ trage, obwohl er keine Beweise für diese Behauptung vorlegte. Er deutete auch an, dass kompromittierte Konten, die mit der litauischen Migrationsbehörde verbunden sind, möglicherweise für den Angriff verwendet wurden.
Er warnte, dass Wohnadressdaten, die mit sensiblen Regierungsbeamten verknüpft sind, für Überwachung, Phishing-Kampagnen, Erpressung oder Sabotageplanung während einer Krise ausgenutzt werden könnten.
Litauische Staatsanwälte haben eine mögliche russische Beteiligung weder bestätigt noch dementiert, und keine Hackergruppe hat öffentlich die Verantwortung übernommen.
Litauen, ein Mitglied von **NATO** und **Europäischer Union**, das an den russischen Exklaven Kaliningrad sowie an Russlands Verbündeten Belarus grenzt, hat Moskau wiederholt vorgeworfen, hybride Operationen gegen das Land durchzuführen, darunter Cyberangriffe, Desinformationskampagnen und Sabotageakte.
Der Vorfall folgt auf ähnliche Angriffe auf staatliche Register anderswo in Osteuropa. Im vergangenen Jahr wurde das Grundbuchsystem der Slowakei Opfer eines großen Cyberangriffs, der landesweit Immobilien- und Baudienste störte. Etwa zur gleichen Zeit brachen mutmaßliche russische Hacker die staatlichen Register der Ukraine ein und störten vorübergehend den Zugang zu wesentlichen staatlichen Diensten, die mit digitalen Aufzeichnungen verbunden sind.

