Manushya Foundation: Digital Rights Advisor über Big-Tech-Rechenschaftspflicht und die Illusion des 'Stakeholder-Engagements'
In einem aktuellen Interview spricht **Jean Linis-Dinco**, Digital Rights Advisor der **Manushya Foundation**, über die Arbeit der Organisation bei der Anfechtung von Gesetzen, die die Online-Meinungsfreiheit kriminalisieren, und die Konfrontation mit der nicht rechenschaftspflichtigen Macht von Big Tech. Linis-Dinco kritisiert das Konzept des 'Stakeholder-Engagements' mit Tech-Giganten und argumentiert, dass es oft als Freibrief für Entscheidungen dient, die ohne echte Beteiligung der Gemeinschaft getroffen werden.
### Die nicht rechenschaftspflichtige Macht von Big Tech herausfordern
**David Greene** von der **Electronic Frontier Foundation (EFF)** interviewte kürzlich **Dr. Jean Linis-Dinco**, eine Aktivistin und Forscherin an der Schnittstelle von Menschenrechten und Technologie, die derzeit als Digital Rights Advisor für die **Manushya Foundation** tätig ist. Das Interview beleuchtet die kritische Haltung der Stiftung gegenüber der oft nicht rechenschaftspflichtigen Macht von Big Tech und deren Auswirkungen auf marginalisierte Gemeinschaften.
Linis-Dinco betonte, dass die **Manushya Foundation** mit Aktivisten und Menschenrechtsverteidigern zusammenarbeitet, die wegen ihrer Arbeit ins Visier genommen werden und Belästigungen ausgesetzt sind. Ihr Fokus liegt auf der Anfechtung von Gesetzen und Richtlinien, die die Online-Meinungsfreiheit kriminalisieren, und der Auseinandersetzung mit der Rolle privater Unternehmen.
### Die Fallstricke des 'Stakeholder-Engagements'
Linis-Dinco äußerte starke Bedenken hinsichtlich zivilgesellschaftlicher Organisationen, die unter dem Deckmantel des 'Stakeholder-Engagements' einen "Platz am Tisch" bei Big-Tech-Unternehmen suchen. Sie argumentiert, dass ein solches Engagement eine Fassade sein kann, bei der die Zivilgesellschaft als Freibrief für Entscheidungen missbraucht wird, die hinter NDAs getroffen wurden und die Gemeinschaften ausschließen, die von diesen Technologien am stärksten betroffen sind.
"Wir wollen nicht als Freibrief für Entscheidungen missbraucht werden, die bereits hinter NDAs getroffen wurden, oder für Entscheidungen, bei denen die von diesen Technologien am stärksten betroffenen Gemeinschaften überhaupt nicht anwesend waren", sagte Linis-Dinco.
Sie kritisierte weiter die Vorstellung, dass Big Tech Partner des Fortschritts sein könne, und deutete an, dass jede Zusammenarbeit von Natur aus extraktiv sei. Sie glaubt, dass die Zivilgesellschaft dazu gebracht wurde, die Handlungen von Big Tech zu legitimieren, und dass ihre Kritik oft in Zustimmung umgewandelt wird.
### Dekoloniale intersektionale Feminismus und Machtsysteme
Linis-Dinco beschrieb die **Manushya Foundation** als eine dekoloniale intersektionale feministische Organisation, die sich grundlegend mit Machtsystemen befasst. Ihre Arbeit konzentriert sich darauf, zu identifizieren, wer die Macht innehat, wer von ihr zerquetscht wird und wer bewusst davon ausgeschlossen wurde.
Sie kritisierte auch den "Lean-in-Feminismus" und den "Girl-Boss-Feminismus" und argumentierte, dass sie oft Frauen zugutekommen, die bereits privilegierte Positionen innehaben, und sogar auf der Ausbeutung anderer Frauen aufgebaut sein können.
### Meinungsfreiheit und materielle Bedingungen
Linis-Dinco betonte, dass Meinungsfreiheit durch materielle Bedingungen verstanden werden muss. Sie argumentierte, dass sie untrennbar mit Gerechtigkeit verbunden sei und nicht beansprucht werden könne, während Systeme toleriert werden, die durch Angst, Armut oder Überwachung zum Schweigen bringen.
"Die wahre Grundlage der Meinungsfreiheit und der Redefreiheit ist, wer ohne Konsequenzen sprechen kann und wer dafür den Preis zahlt", sagte sie. Sie kritisierte auch die Haltung des "Redefreiheits-Absolutismus", wie sie von Persönlichkeiten wie **Elon Musk** verkörpert wird, und deutete an, dass sie oft dazu dient, die Bedingungen aufrechtzuerhalten, unter denen bestimmte privilegierte Personen sprechen können.
Linis-Dinco stellt sich eine Gesellschaft vor, in der Menschen wahrheitsgemäß über ihre Bedingungen sprechen und gehört werden können, in der abweichende Meinungen nicht kriminalisiert werden und in der Ausdruck zu einer Kraft für Transformation wird und nicht zu einem Werkzeug der Kontrolle. Sie betrachtet freie Rede als eine kollektive Bedingung, die untrennbar mit der Art von Gesellschaft verbunden ist, die wir aufbauen.