Polnische Geheimdienste enthüllen Cyberangriffe auf Wasseraufbereitungsanlagen, beschuldigen Russland
Polens Agentur für innere Sicherheit (ABW) hat eine Reihe von Cyberangriffen auf Wasseraufbereitungsanlagen im ganzen Land in den Jahren 2024 und 2025 gemeldet. Die Angriffe, bei denen auf industrielle Steuerungssysteme zugegriffen wurde, werden mit russischen Geheimdiensten in Verbindung gebracht.
## Cyberangriffe auf polnische Wasseraufbereitungsanlagen
Ein aktueller öffentlicher Bericht der **ABW** beschreibt Cyber-Intrusionen in Wasseraufbereitungsanlagen in Jabłonna Lacka, Szczytno, Małdyty, Tolkmicko und Sierakowo. Angreifer hatten erfolgreich Zugriff auf industrielle Steuerungssysteme, was ihnen potenziell die Manipulation kritischer technischer Parameter und die Störung der Wasserversorgung ermöglichte.
Laut dem Bericht hatten „Angreifer, die in einigen Fällen Zugang zu industriellen Steuerungssystemen erlangten, die Möglichkeit, technische Parameter von Geräten zu ändern“, was „eine direkte Gefahr“ für die Kontinuität der Wasserversorgungsbetriebe darstellte.
## Vorwürfe russischer Beteiligung
Obwohl sich die **ABW** nicht direkt auf eine bestimmte Gruppe oder Nation als Urheber der Angriffe festlegte, betont der Bericht eine verstärkte feindselige Cyberaktivität gegen Polen, insbesondere von den „Spezialdiensten der Russischen Föderation“. Dies steht im Einklang mit Polens zunehmender Rolle als Logistikdrehscheibe für westliche Militärhilfe für die Ukraine und seinen wiederholten Anschuldigungen gegen russische Geheimdienste wegen Sabotage, Cyberangriffen und Desinformationskampagnen.
Zuvor hatte **CyberDefence24**, eine polnische Cybersicherheitspublikation, einige dieser Vorfälle bei Wasseranlagen mit einer pro-russischen Hacktivistengruppe in Verbindung gebracht, die dafür bekannt ist, Propagandavideos ihrer Intrusionen zu veröffentlichen. Sie berichteten von Fällen, in denen Angreifer Pumpen- und Alarmeinstellungen nach der Kompromittierung von Administratorkonten änderten.
## Breitere Kampagne zur Destabilisierung der NATO und der EU
Der Bericht der **ABW** zeichnet das Bild einer langfristigen russischen Kampagne zur Destabilisierung von **NATO**- und **Europäische Union**-Mitgliedstaaten. Dies umfasst groß angelegte Aufklärungsaktivitäten, die auf Militärstandorte, kritische Infrastrukturen und öffentliche Einrichtungen in Polen abzielen.
Vorfälle wie die Hacking des Kommunikationsnetzes der nationalen Eisenbahn und ein Ausfall des Flugverkehrskontrollsystems des Landes haben Bedenken hinsichtlich russischer Versuche geweckt, das tägliche Leben in Polen zu stören.
## Sich entwickelnde Taktiken und verstärkte Spionage
Der Bericht hebt eine Verlagerung der russischen Taktiken hervor, weg von lose rekrutierten Online-Operativen hin zu strukturierteren Netzwerken, die mit organisierter Kriminalität verbunden sind. Rekrutierer nutzen angeblich verschlüsselte Messaging-Plattformen und Kryptowährungszahlungen, um Einzelpersonen für Aufgaben anzuheuern, die oft als normale Arbeit getarnt sind.
Die **ABW** berichtete auch von einem signifikanten Anstieg der Spionageermittlungen, der größtenteils auf Russland und Weißrussland zurückzuführen ist. Die Zahl der eingeleiteten Spionageermittlungen stieg von sechs im Jahr 2022 auf 48 im Jahr 2025.
Die Agentur warnte, dass russische Geheimdienste zunehmend bereit seien, zivile Opfer bei Sabotageoperationen in Kauf zu nehmen, was potenziell zu Eisenbahn- oder Flugzeugunglücken führen könnte.
## Polens Reaktion
Polen hat auf diese Bedrohungen mit Verhaftungen, Ausweisungen und diplomatischen Maßnahmen reagiert, einschließlich der Schließung von drei russischen Konsulaten seit Ende 2024.
**Oberst Rafał Syrysko**, der Leiter der **ABW**, kündigte die Absicht der Agentur an, die regelmäßige öffentliche Berichterstattung über nationale Sicherheitsbedrohungen wieder aufzunehmen, was die erste solche Zusammenfassung seit 2014 darstellt.

