Quantenkryptografie-Pioniere erhalten Turing Award – aber ist es noch eine Lösung, die auf ein Problem wartet?
Charles Bennett und Gilles Brassard erhalten den Turing Award 2026 für ihre Erfindung der Quantenkryptografie. Während die Technologie faszinierend ist, stellen einige Experten ihre praktische Notwendigkeit zur Bewältigung aktueller Cybersicherheitsherausforderungen in Frage.
Die Cybersicherheits-Community ist begeistert von der jüngsten Ankündigung, dass **Charles Bennett** und **Gilles Brassard** 2026 den renommierten **Turing Award** für ihre bahnbrechende Arbeit im Bereich der Quantenkryptografie erhalten werden.
**Ein kritischer Rückblick**
Allerdings sind nicht alle von ihrer unmittelbaren Relevanz überzeugt. Sicherheitsexperte **Bruce Schneier** äußerte sich bereits 2008 in einem Essay mit dem Titel „Quantum Cryptography: As Awesome As It Is Pointless“ skeptisch hinsichtlich des kommerziellen Werts der Technologie.
> Ich mag zwar die Wissenschaft der Quantenkryptografie – mein Grundstudium war in Physik –, aber ich sehe keinen kommerziellen Wert darin. Ich glaube nicht, dass sie ein Sicherheitsproblem löst, das gelöst werden muss. Ich glaube nicht, dass es sich lohnt, dafür zu bezahlen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand außer ein paar Technophilen sie kauft und einsetzt. Systeme, die sie nutzen, werden nicht magisch unzerbrechlich, da der Quantenteil die Schwachstellen des Systems nicht adressiert.
**Das schwächste Glied**
**Schneier** argumentierte, dass Kryptografie nur so stark sei wie ihr schwächstes Glied, und die wirklichen Schwachstellen in Bereichen wie Computersicherheit, Netzwerksicherheit und Benutzeroberflächen liegen, nicht in den kryptografischen Algorithmen selbst. Er vertrat die Ansicht, dass eine Konzentration auf diese schwächeren Bereiche einen größeren Sicherheitsgewinn erzielen würde als Investitionen in Quantenkryptografie.
> Sicherheit ist eine Kette; sie ist so stark wie das schwächste Glied. Mathematische Kryptografie, so schlecht sie manchmal auch ist, ist das stärkste Glied in den meisten Sicherheitsketten. Unsere symmetrischen und Public-Key-Algorithmen sind ziemlich gut, auch wenn sie nicht auf viel rigoroser mathematischer Theorie basieren. Die wirklichen Probleme liegen woanders: Computersicherheit, Netzwerksicherheit, Benutzeroberfläche und so weiter.
**Bedenken hinsichtlich Quantencomputing?**
Angesprochen auf die Bedenken, dass Quantencomputing aktuelle kryptografische Methoden brechen könnte, bleibt **Schneier** unbeeindruckt und erklärt, dass die Mathematik der Physik voraus sei. Er glaubt, dass Berichte über Fortschritte im Quantencomputing oft übertrieben sind und betont die Bedeutung der Krypto-Agilität in Systemen, um zukünftige Risiken zu mindern.
> Was ist mit Quantenberechnungen? Ich mache mir keine Sorgen; die Mathematik ist der Physik voraus. Berichte über Fortschritte in diesem Bereich sind übertrieben. Und wenn es aufgrund eines Durchbruchs bei Quantenberechnungen eine Sicherheitskrise gibt, dann deshalb, weil unsere Systeme nicht krypto-agil sind.