SonicWall VPNs umgangen: Unvollständige Patches führen zu Umgehung von MFA und Ransomware-Einsatz
Bedrohungsakteure nutzen aktiv eine Schwachstelle in **SonicWall** Gen6 SSL-VPN-Appliances aus, um Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu umgehen und Werkzeuge für Ransomware-Angriffe einzusetzen. Das Problem ergibt sich aus der unvollständigen Behebung von **CVE-2024-12802**, die manuelle Rekonfigurationsschritte über reine Firmware-Updates hinaus erfordert.

Angreifer führen aktiv Brute-Force-Angriffe auf VPN-Anmeldedaten durch und umgehen die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) auf **SonicWall** Gen6 SSL-VPN-Appliances. Dies ermöglicht ihnen den Einsatz von Werkzeugen, die bei Ransomware-Angriffen verwendet werden.
Bei diesen Intrusionen sind Angreifer typischerweise 30 bis 60 Minuten eingeloggt, führen Netzwerk-Aufklärung durch, testen die Wiederverwendung von Anmeldedaten auf internen Systemen und loggen sich dann aus.
### Die Schwachstelle: CVE-2024-12802
**SonicWall** gab eine Sicherheitswarnung für **CVE-2024-12802** heraus und warnte, dass die bloße Installation des Firmware-Updates auf Gen6-Geräten nicht ausreicht. Eine manuelle Rekonfiguration des LDAP-Servers ist *erforderlich*, um die Schwachstelle vollständig zu beheben. Andernfalls bleibt das System anfällig für MFA-Umgehung.
Forscher von **ReliaQuest** reagierten auf mehrere Intrusionen zwischen Februar und März und bewerteten diese als "mit mittlerer Sicherheit die erste Ausnutzung von **CVE-2024-12802** in freier Wildbahn, die **SonicWall**-Geräte in mehreren Umgebungen ins Visier nimmt."
Die Forscher stellten fest, dass selbst gepatchte Geräte (mit aktualisierter Firmware) anfällig blieben, da die notwendigen Abhilfemaßnahmen nicht abgeschlossen wurden.
Auf Gen7- und Gen8-Geräten ist ein Update auf eine neuere Firmware-Version ausreichend, um **CVE-2024-12802** vollständig zu beheben.
### Beobachtete Ausnutzungsaktivitäten
**ReliaQuest** berichtet, dass in einem Vorfall der Angreifer innerhalb von nur 30 Minuten Zugriff auf das interne Netzwerk erlangte und einen Domain-joined Dateiserver erreichte. Anschließend stellten sie über RDP eine Fernverbindung her, indem sie ein gemeinsam genutztes lokales Administratorkennwort verwendeten.
Der Angreifer versuchte, einen **Cobalt Strike**-Beacon (ein Post-Exploitation-Framework für Command-and-Control (C2)-Kommunikation) und einen anfälligen Treiber einzusetzen, wahrscheinlich um den Endpunktschutz mithilfe der Bring Your Own Vulnerable Driver (BYOVD)-Technik zu deaktivieren.
Glücklicherweise blockierte die installierte Endpoint Detection and Response (EDR)-Lösung sowohl den Beacon als auch den Treiber.
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*Quelle: ReliaQuest*
Basierend auf den bewussten Logouts und anschließenden Logins des Angreifers (manchmal mit unterschiedlichen Konten) glaubt **ReliaQuest**, dass der Bedrohungsakteur ein Initial Access Broker (IAB) ist, der Zugänge an Ransomware-Gruppen verkauft.
Letztes Jahr zielte die **Akira**-Ransomware-Gang auf **SonicWall** SSL VPN-Geräte ab und konnte sich erfolgreich anmelden, obwohl MFA aktiviert war. Die genaue Methode, die bei diesen Angriffen verwendet wurde, wurde jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigt.
### Behebung von CVE-2024-12802: Abhilfemaßnahmen
Die Schwachstelle **CVE-2024-12802** ergibt sich aus einer fehlenden MFA-Erzwingung für das User Principal Name (UPN)-Anmeldeformat. Dies ermöglicht Angreifern mit gültigen Anmeldedaten die direkte Authentifizierung und umgeht somit MFA.
Um die Schwachstelle auf Gen6 **SonicWall**-Geräten vollständig zu beheben, befolgen Sie *nach* der Aktualisierung auf die neueste Firmware diese Schritte, wie im Advisory des Herstellers beschrieben:
1. Löschen Sie die vorhandene LDAP-Konfiguration, die userPrincipalName im Feld "Qualified login name" verwendet.
2. Entfernen Sie lokal zwischengespeicherte/aufgelistete LDAP-Benutzer.
3. Entfernen Sie die konfigurierte SSL VPN "User Domain" (wird auf LocalDomain zurückgesetzt).
4. Starten Sie die Firewall neu.
5. Erstellen Sie die LDAP-Konfiguration neu, *ohne* userPrincipalName in "Qualified login name".
6. Erstellen Sie ein frisches Backup, um die Wiederherstellung einer anfälligen LDAP-Konfiguration zu vermeiden.
**ReliaQuest** hat hohe Zuversicht, dass der Angreifer durch die Ausnutzung von **CVE-2024-12802** in mehreren Sektoren und Regionen einen initialen Zugriff erlangt hat.
Laut **ReliaQuest** erschienen die unbefugten Anmeldeversuche in den Logs als normale MFA-Flows, was Verteidiger potenziell in die Irre führen kann. Das Vorhandensein von `sess=”CLI”` in den Logs ist ein wichtiges Indiz für diese Angriffe und deutet auf skriptgesteuerte oder automatisierte VPN-Authentifizierung hin. Administratoren sollten dieses Signal aktiv überwachen.
Weitere potenzielle Indikatoren sind die Ereignis-IDs 238 und 1080 sowie VPN-Logins, die von verdächtiger VPS/VPN-Infrastruktur stammen.
Da Gen6 SSL-VPN-Appliances am 16. April 2024 das End-of-Life erreicht haben und keine Sicherheitsupdates mehr erhalten, wird dringend empfohlen, auf aktiv unterstützte Versionen zu migrieren.
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