US Cyber Strategy 2026: Ein Aufruf zum 'Hackback' durch den Privatsektor?
Ein aktuelles US-Cyberstrategie-Dokument deutet auf einen kontroversen Ansatz hin: die Ermächtigung privater Unternehmen, gegen Cyber-Gegner 'zurückzuhacken'. Experten warnen, dass dies zu unbeabsichtigten Folgen und potenziellen Verstößen gegen rechtsstaatliche Grundsätze führen könnte.
Das kürzlich vom Weißen Haus veröffentlichte Dokument „Cyber Strategy for America 2026“ hat eine Debatte in der Cybersicherheits-Community ausgelöst. Während es weitgehend mit den Ansätzen früherer Verwaltungen übereinstimmt, hat ein bestimmter Satz für Aufsehen gesorgt: „Wir werden den Privatsektor entfesseln, indem wir Anreize schaffen, um gegnerische Netzwerke zu identifizieren und zu stören und unsere nationalen Fähigkeiten zu skalieren.“
Diese Aussage wird von einigen als Aufruf zum „Hackback“ interpretiert – im Wesentlichen die Erteilung der Erlaubnis an private Unternehmen, offensive Cyberoperationen durchzuführen.
**The Economist** hob diesen potenziellen Politikwechsel ebenfalls hervor.
### Die Risiken von Selbstjustiz im Cyberspace
Sicherheitsexperte **Bruce Schneier** argumentiert, dass eine solche Politik „eine unglaublich dumme Idee“ sei. Er zieht Parallelen zu den Gefahren der Selbstjustiz und betont die Bedeutung des rechtsstaatlichen Verfahrens und des Fehlerrisikos. „Im Krieg ist die Vorstellung des Gegenangriffs extrem mächtig… Aber im Frieden nennen wir es Rache und halten es für gefährlich.“
Schneier fährt fort: „Sowohl Selbstjustiz-Gegenangriffe als auch präventive Angriffe widersprechen diesen Rechten. Sie bestrafen Menschen, die noch nicht für schuldig befunden wurden… Im Internet ist es noch schwieriger zu wissen, wer einen angreift. Nur weil mein Computer wie die Quelle eines Angriffs aussieht, heißt das nicht, dass er es ist.“
### Echos der Vergangenheit
Schneier schließt mit einer historischen Analogie: „Wir geben auf hoher See keine Kaperbriefe mehr aus; das sollten wir auch nicht im Cyberspace tun.“