WhatsApp warnt vor Spionage-App, die italienische Nutzer ins Visier nimmt
WhatsApp hat rund 200 Nutzer, hauptsächlich in Italien, vor einem ausgeklügelten Social-Engineering-Angriff gewarnt, bei dem eine bösartige, mit Spyware infizierte Version seiner iOS-App im Umlauf war. Das Unternehmen leitet auch rechtliche Schritte gegen Asigint, eine italienische Tochtergesellschaft des Spyware-Unternehmens SIO, wegen seiner mutmaßlichen Rolle bei der Erstellung der gefälschten Anwendung ein.

**WhatsApp**, das zu **Meta** gehört, berichtete, dass es etwa 200 Nutzer benachrichtigt hat, die dazu verleitet wurden, eine betrügerische Version seiner iOS-Anwendung zu installieren, die anschließend mit Spyware infiziert war.
Laut Berichten der italienischen Zeitung *La Repubblica* und der Nachrichtenagentur *ANSA* befinden sich die meisten der betroffenen Personen in Italien. Die Bedrohungsakteure hinter dieser Kampagne sollen Social-Engineering-Taktiken angewendet haben, um Nutzer dazu zu bringen, bösartige Software zu installieren, die als **WhatsApp** getarnt war.
Alle betroffenen Nutzer wurden aus der kompromittierten App abgemeldet, und **WhatsApp** hat sie aufgefordert, die bösartigen Anwendungen zu deinstallieren und die offizielle **WhatsApp**-App herunterzuladen. Das Unternehmen hat keine spezifischen Details über die Identitäten der in diesen Angriffen Zielpersonen bekannt gegeben.
### Vorgehen gegen Asigint
Der Tech-Gigant erklärte, dass er rechtliche Schritte gegen **Asigint**, eine italienische Tochtergesellschaft des Spyware-Unternehmens **SIO**, wegen der mutmaßlichen Entwicklung einer gefälschten Version von **WhatsApp** einleitet. **SIO** vermarktet seine Dienstleistungen an Strafverfolgungsbehörden, Regierungsbehörden und Geheimdienste und bietet Lösungen für die Überwachung von Aktivitäten, die Sammlung von Informationen und die Durchführung verdeckter Operationen an.
### Frühere Vorfälle mit SIO
Im Dezember 2025 berichtete *TechCrunch*, dass **SIO** mit einer Reihe von bösartigen Android-Anwendungen in Verbindung gebracht wurde, die sich als **WhatsApp** und andere beliebte Apps ausgaben. Diese Anwendungen nutzten eine Spyware-Familie namens Spyrtacus, um private Daten von Zielgeräten zu stehlen. Es wird angenommen, dass ein staatlicher Kunde diese Apps nutzte, um unbekannte Opfer in Italien ins Visier zu nehmen.
**SIO** gehört zu mehreren italienischen Unternehmen, darunter **Cy4Gate**, **eSurv**, **GR Sistemi**, **Negg**, **Raxir** und **RCS Lab**, die Überwachungswerkzeuge verkaufen und Italien in einen "Spyware-Hub" verwandeln.
### Frühere Angriffe auf WhatsApp
Anfang letzten Jahres warnte **WhatsApp** rund 90 Nutzer davor, dass sie mit der Spyware Graphite von **Paragon Solutions** ins Visier genommen wurden. Im August 2025 benachrichtigte das Unternehmen weniger als 200 Nutzer, die möglicherweise in einer ausgeklügelten Kampagne ins Visier genommen wurden, bei der Zero-Day-Schwachstellen in iOS und der Messaging-Anwendung ausgenutzt wurden.
### Predatorgate-Entwicklungen
Diese Entwicklungen folgen der Verurteilung von **Tal Dilian**, Gründer des **Intellexa Consortium**, und drei seiner Mitarbeiter durch ein griechisches Gericht wegen ihrer Beteiligung an der illegalen Nutzung der **Predator**-Spyware zur Überwachung von Politikern, Wirtschaftsführern und Journalisten in Griechenland.
Der Überwachungsskandal von 2022, der als Predatorgate bekannt wurde, führte dazu, dass das Europäische Parlament eine formelle Untersuchung des Einsatzes solcher Werkzeuge einleitete. Ein im selben Jahr verabschiedetes neues Gesetz legalisierte jedoch den staatlichen Einsatz unter strengen Auflagen. Im Juli 2024 sprach der griechische Oberste Gerichtshof den staatlichen Geheimdienst und Regierungsbeamte von Fehlverhalten frei.
**Amnesty International** erklärte: "Fragen bleiben hinsichtlich der Rolle der griechischen Regierung, die stets den Kauf oder die Nutzung von Predator bestritten hat. Transparenz ist ein entscheidender Teil der Rechenschaftspflicht – ebenso wie Abhilfe für die vielen Opfer von Menschenrechtsverletzungen, die durch den rechtswidrigen Einsatz dieser Technologie verursacht wurden."
**Dilian** erklärte, dass er beabsichtige, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen, und fügte hinzu: "Ich glaube, eine Verurteilung ohne Beweise ist keine Gerechtigkeit, sie könnte Teil einer Vertuschung und sogar ein Verbrechen sein."
### Breitere europäische Spyware-Bedenken
Italien und Griechenland sind nicht die einzigen europäischen Länder, die von Spyware-Technologie betroffen sind. Im Januar 2026 stellte das spanische Oberste Gericht seine Ermittlungen zum Einsatz der **NSO Group's Pegasus** zur Überwachung spanischer Politiker ein und verwies auf mangelnde Kooperation der israelischen Behörden.
Der Fall reicht bis Mai 2022 zurück, als die spanische Regierung bekannt gab, dass die Spyware des israelischen Unternehmens zur Abhören von Geräten des Premierministers Pedro Sánchez und der Verteidigungsministerin Margarita Robles verwendet worden war.
### Verteidigung des Spyware-Einsatzes
Unternehmen wie **Intellexa** und **NSO Group** haben stets betont, dass ihre Überwachungstechnologie an Regierungen lizenziert wird, um schwere Verbrechen zu bekämpfen und die nationale Sicherheit zu stärken. Der Executive Chairman der **NSO Group**, David Friedman, sagte, die "Welt sei ein viel sichererer Ort", wenn die Werkzeuge des Unternehmens "in den richtigen Händen in den richtigen Ländern" seien.