Überwachung ohne Haftbefehl unter Beschuss: Ernennung eines umstrittenen Geheimdienstchefs steht bevor
Die Neugenehmigung von **Abschnitt 702 des Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA)** steht vor einer kritischen Frist am 12. Juni, die mit einer stark politisierten Ernennung zum obersten Geheimdienstposten des Landes zusammenfällt. Kritiker argumentieren, dass das Programm, das die Überwachung der Kommunikation von Amerikanern ohne Haftbefehl erlaubt, verfassungswidrig ist und sein Missbrauchspotenzial durch den neuen amtierenden Direktor für Nationale Geheimdienste verstärkt wird.
Der Kongress steht kurz davor, bis Freitag, den 12. Juni, über die Zukunft von **Abschnitt 702 des Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA)** zu entscheiden. Dieses umstrittene Programm ermächtigt die **National Security Agency (NSA)**, die Kommunikation von ausländischen Zielen zu sammeln, einschließlich derer, die mit Amerikanern in den USA interagieren. Diese riesigen Datensätze werden dann anderen Behörden, insbesondere dem **Federal Bureau of Investigation (FBI)**, zugänglich gemacht.
### Das Dilemma von Abschnitt 702
Ein zentraler Streitpunkt ist die Fähigkeit des **FBI**, die US-Seite dieser Kommunikation abzufragen und zu überprüfen, ohne einen Haftbefehl zu erwirken. Diese Praxis wirft erhebliche Datenschutzbedenken auf, da Personen, die einer solchen Überwachung unterliegen, oft unwissend bleiben und nur begrenzte Möglichkeiten haben. Bürgerrechtsanwälte, darunter die **Electronic Frontier Foundation (EFF)**, streben seit langem mehr Transparenz darüber an, wie Daten, die unter Abschnitt 702 gesammelt werden, in inländischen Ermittlungen und Strafverfolgungen verwendet werden.
### Eine umstrittene Ernennung zum DNI
Die Debatte über die Neugenehmigung von Abschnitt 702 wurde durch die jüngste Ernennung von **Bill Pulte** zum amtierenden Direktor für Nationale Geheimdienste (DNI) durch **Präsident Trump** verschärft. Pulte, derzeit Direktor der **Federal Housing Finance Agency (FHFA)** und Vorsitzender von **Fannie Mae** und **Freddie Mac**, ersetzt **Tulsi Gabbard**, die letzten Monat ihren Rücktritt angekündigt hatte.
Entscheidend ist, dass Pulte keine vorherige Erfahrung im Geheimdienst-, Militär- oder Kongressbereich hat. Das Gesetz von 2004, das die DNI-Position einrichtete, die Amerikas 18 Geheimdienste koordiniert, verlangt ausdrücklich, dass die Inhaber "umfangreiche nationale Sicherheitsexpertise" besitzen.
**Präsident Trump** verteidigte die Ernennung auf seiner Truth Social-Plattform und erklärte: "William verfügt über tiefgreifende Erfahrung im Management der sensibelsten Angelegenheiten Amerikas, der Sicherheit und Solidität der Märkte und über 10 Billionen Dollar bei Fannie Mae/Freddie Mac, eine deutliche Steigerung gegenüber dem Stand vor nur 12 Monaten."
### Bedenken hinsichtlich der "Waffenfähigkeit" von Daten
Pultes Ernennung zum *amtierenden* DNI umgeht die Bestätigung durch den Senat und erlaubt ihm, gemäß dem Vacancies Act etwa sieben Monate im Amt zu bleiben. Dies ist besonders alarmierend angesichts seiner Geschichte, private Regierungsdaten angeblich als politisches Instrument zu missbrauchen.
Während seiner Amtszeit bei der **FHFA** beschuldigte Pulte öffentlich mehrere politische Gegner, darunter die Generalstaatsanwältin des Staates New York, **Letitia James**, den **US-Senator Adam Schiff** (D-Calif.) und die Gouverneurin der Federal Reserve, **Lisa Cook**, wegen Hypothekenbetrugs auf der Grundlage privater Daten seiner Behörde. Obwohl diese Personen Fehlverhalten bestritten haben und die Anschuldigungen nicht zu strafrechtlichen Anklagen führten, wirft das Muster ernste Fragen auf.
Darüber hinaus nutzte Pulte seine **FHFA**-Plattform, um den damaligen **Fed-Vorsitzenden Jerome Powell** anzugreifen und interne Aufsichtsmechanismen abzubauen. Als amtierender DNI hätte Pulte Zugang zu allen vom Geheimdienst gesammelten Verschlusssachen, einschließlich der riesigen Mengen amerikanischer Daten, die unter **Abschnitt 702** gesammelt werden.
### Bipartisanische Alarmglocken
Die Ernennung hat parteiübergreifend scharfe Kritik hervorgerufen.
**US-Senator Mark Warner** (D-Va.), ranghöchster Demokrat im Geheimdienstausschuss des Senats, sagte gegenüber NPR, Pulte habe "keine Erfahrung im Militär, keine Erfahrung im Kongress, keine Erfahrung im Geheimdienst oder bei der Strafverfolgung" und sei gewählt worden, weil er "zu 100 % loyal ist, alles zu tun, was Präsident Trump verlangt."
Ebenso sagte **Senatsmehrheitsführer John Thune** (R-S.D.) Reportern, dass "wir keinen "bewaffneten" nationalen Geheimdienstchef brauchen" und betonte die Notwendigkeit von "Profis dort".
### Der Ruf nach Reformen
Der Kongress hat sich zuvor mit der Neugenehmigung von **Abschnitt 702** schwergetan, wobei eine parteiübergreifende Koalition von Freedom Caucus-Republikanern und vielen Demokraten Reformen forderte. Eine zentrale Forderung ist die vernünftige Anforderung, dass Bundesbehörden einen richterlichen Haftbefehl auf Grundlage eines hinreichenden Tatverdachts einholen müssen, bevor sie Daten durchsuchen, die Amerikaner betreffen. Pultes umstrittene Ernennung unterstreicht die dringende Notwendigkeit einer unabhängigen richterlichen Überprüfung, um potenzielle Machtmissbräuche abzusichern, die Programmen wie Abschnitt 702 innewohnen.